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Schrittweiser Umstieg von strikten staatlichen Eingriffen auf verantwortungsvolles Miteinander

 

Die von fast allen Fraktionen im Deutschen Bundestag getragenen und von den Landesregierungen flankierten durchgreifenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus zeigen Wirkung. Gebote, Verbote und Empfehlungen sind von der Bevölkerung aufmerksam wahrgenommen worden und haben zu notwendigen Verhaltensänderungen geführt. Diese Erfahrungen müssen nun zu einem schrittweisen Umstieg von strikten staatlichen Restriktionen auf ein verantwortungsvolles Miteinander führen.
Niemand in unserer Gesellschaft verfügt vor dem Hintergrund der lückenhaften Datenlage über absolut gesichertes Wissen über das neuartige Corona-Virus. Wir lernen täglich dazu. Keine politische Entscheidung wird ohne Risiko getroffen werden können. Wir brauchen nun den Mut, das Verständnis und die Einsicht aller Betroffenen auf dem Weg heraus aus der Pandemie.

Infektionszahlen und Infektionsfälle sind regional sehr unterschiedlich, flexible Lösungen sind gefragt. So richtig die Erfassung von Risikogruppen ist, so falsch ist eine pauschale Bewertung und Einordnung. Wir können z.B. die Freiheitsrechte der älteren Generation nicht einfach über einen längeren Zeitraum aushebeln und ihr ab einem bestimmten Alter besondere Einschränkungen zumuten. Liberale Senioren wehren sich aus guten Gründen seit jeher gegen willkürlich gesetzte Altersgrenzen und jede Form von Altersdiskriminierung. Hier müssen wir gerade jetzt besonders wachsam sein.

Verbindliche Regeln bei der Rückkehr zur Normalität des öffentlichen wie privaten Miteinanders müssen grundsätzlich für alle gelten. Das gehört zu den Selbstverständlichkeiten einer freien Gesellschaft von mündigen Bürgerinnen und Bürgern.
Aus berechtigter Sorge um Eltern und Großeltern kann schnell Bevormundung erwachsen – mit einem Schutzbedürfnis, dass vielen Älteren nicht gerecht wird. Auf der anderen Seite gibt es Menschen jeden Alters, denen aufgrund von Vorerkrankungen oder der individuellen Lebensbedingungen unsere besondere Aufmerksamkeit gelten muss. Für sie braucht es differenzierte Wege aus der Corona-Krise – abhängig z.B. vom Gesundheitszustand und der Wohnformen. Wir haben schmerzlich erfahren müssen, welche dramatischen Folgen das Virus in Seniorenheimen ausgelöst hat. Aber auch dort sind die Bewohnerinnen und Bewohner je nach ihrer Disposition unterschiedlichen Gefährdungen ausgesetzt. Das gilt auch für Wohnheime für Menschen mit Behinderungen. Wir fordern die Entscheidungsträgerinnen und –träger im Bund und in den Ländern auf, diesen Problemen in all ihrer Vielfalt Rechnung zu tragen – nach dem Grundsatz : So viel Staat wie nötig, so viel Freiheit und Eigenverantwortung wie möglich.
Wenn wir die Zahl der Tests kontinuierlich erhöhen und nach Gefährdungsorten gezielt einsetzen,
wenn wir uns freiwillig auf eine Bewegungs-APP einlassen, durch die Infektionsketten schnell ermittelt werden können,
wenn wir die mittlerweile eingeübten Verhaltensregeln (Hygiene, Abstand) weiter beachten und akzeptieren,
finden wir zu einem achtsamen respektvollen Miteinander zurück :
in den Familien und im Freundeskreis
in den Unternehmen,
im Einzelhandel,
in der Gastronomie,
in der Kultur und im Sport,
in den Vereinen und Verbänden.
Gleichzeitig dürfen wir es nicht bei wohlmeinendem und anerkennendem Beifall für die Menschen belassen, die sich in den Gesundheitsberufen, der Pflege, der Polizei und Feuerwehr, den sozialen Einrichtungen und den Verwaltungen derzeit mit außergewöhnlichem Einsatz um unser Gemeinwohl verdient machen. Sie verdienen aktuell den erforderlichen Schutz an ihren Arbeitsplätzen und angemessene Arbeitsbedingungen, die sie vor Überforderung bewahren. Und nach der Überwindung der Krise müssen sie auch materiell das verdienen, das ihnen aufgrund ihrer Leistungen, ihrer Zuwendung und Mitmenschlichkeit zusteht.

Das alles hat seinen Preis. Viele unter uns sind soeben dabei, ihren bisherigen Lebensstil zu verändern. Wir reden nicht mehr nur von Entschleunigung, wir müssen sie leben. Wir stellen uns Sinnfragen und erinnern uns an Werte, an die sich frühere Generationen wie an ungeschriebene Gesetze gehalten haben. Wir beklagen nicht mehr die Orientierungslosigkeit, sondern finden – ein Credo der Liberalen Senioren – zur WERTschätzung und zur Orientierung zurück.

Eckart George
Landesvorsitzender der Liberalen Senioren
11.April 2020

Bildquelle von Gert Altmann auf PIXABAY
 

 

 

 

 


 

13.04.2020